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Grundsteuerreform: Das müssen Eigentümer*innen in Bayern jetzt wissen

Das Bundesverfassungsgericht hat mit dem Urteil vom 10. April 2018 die bisher gültige Berechnungsmethode der Grundsteuer gekippt, da die steuerliche Bemessungsgrundlage veraltet ist. Dies führte zum Teil zu Ungleichheiten zwischen Eigentümer*innen. Aus diesem Grund wird die Berechnung der Grundsteuer nun neu geregelt. Dafür müssen alle Grund- und Immobilienbesitzer*innen in Bayern vom 1. Juli bis 31. Oktober 2022 eine Grundsteuererklärung bei dem Lagefinanzamt abgeben, in dessen Bezirk sich das Eigentum befindet. Die neue Grundsteuer soll ab 2026 auf Vermieter*innen und Mieter*innen aufgeteilt werden. Wie genau, steht jedoch noch nicht fest.

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Erklärung zur neuen Grundsteuer in Bayern

Da die Einheitswerte – also die Bemessungsgrundlage – für Grundstücke seit 1964 nicht mehr angepasst wurden, sind die aktuellen  Messbeträge für die Grundsteuer mitunter ungerechtfertigt. Deshalb wird die Grundsteuer in diesem Jahr neu berechnet. Die Grundsteuer kann dabei abweichend vom Bundesgesetz als Ländergesetz umgesetzt werden. Sieben Bundesländer nutzen diese Möglichkeit, darunter auch Bayern. Für die Neuberechnung müssen hier alle Eigentümer*innen eine Steuererklärung mit den Grundstücksdaten abgeben. Dafür werden alle Immobilienbesitzer*innen in Bayern persönlich angeschrieben. Bei mehreren Eigentümer*innen eines Objekts bekommt nur eine Person einen Brief. Die Reform betrifft rund 6,5 Millionen bebaute und unbebaute Grundstücke in Bayern.

Reform der Grundsteuer: Welche Daten werden benötigt?

Anders als beim Bundesmodell, handelt es sich in Bayern um ein Flächenmodell. Hier wird die Grundsteuer nach Grundstücksfläche, Gebäudefläche und Immobiliennutzung berechnet. Grundstücks- und Immobilienwert, Lage, Alter und Zustand der Immobilie spielen keine Rolle. Für die Berechnung der Wohnfläche gilt die Wohnflächenverordnung, nach der Zubehörräume wie Keller, Waschküchen und Heizungsräume nicht zur Wohnfläche gehören. Bei Immobilien, die nicht zu Wohnzwecken genutzt werden, ist eine Auskunft über die Nutzfläche erforderlich. Grundflächen der Baukonstruktion wie Wände, technische Funktionsflächen oder Verkehrsflächen wie Flure und Eingangshallen zählen nicht zur Nutzfläche. Die so ermittelten Messbeträge werden dann noch mit den jeweils in 2025 geltenden Hebesätzen multipliziert, um die neue Grundsteuer zu berechnen.  

Grundsteuererklärung: So gehen Sie vor

Zunächst mag die neue Steuererklärung aufwendig und kompliziert erscheinen. Doch keine Sorge, auch ohne Steuerberater*in ist die Erklärung kein Hexenwerk. Im Internet finden Sie dafür hilfreiche Ausfüllanleitungen und Vordrucke. Die Grundsteuererklärung muss dann in elektronischer Form über das Online-Portal ELSTER eingereicht werden, das ab 1. Juli für diesen Zweck freigeschaltet wird. Wichtig: Für die elektronische Abgabe benötigen Sie ein Zertifikat, welches Sie nach der ELSTER-Registrierung erhalten. Die Bearbeitungszeit kann dabei bis zu zwei Wochen dauern. Registrieren Sie sich deshalb zeitnah. In Ausnahmefällen, in denen die elektronische Abgabe nicht möglich ist, kann die Erklärung auch in Papierform abgegeben werden. Vordrucke finden Sie ebenfalls ab 1. Juli bei Ihrem Finanzamt. Wichtig: Unabhängig von der Form muss die Steuererklärung unbedingt das Aktenzeichen bzw. die Steuernummer enthalten. Andernfalls kann das Finanzamt Ihre Erklärung nicht zuordnen.