• Mensch & Umwelt

Warum es uns nicht egal ist, wen wir alles ansprechen

Als Deutschlands erste Gemeinwohl-Bank verfolgen wir die
Werte der Gemeinwohl-Ökonomie. Im täglichen Miteinander
spielt dabei vor allem der Wert der „Menschenwürde“ eine
wichtige Rolle. Um ihn in all seinen Facetten zu leben und zu
transportieren, respektieren wir die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten
und bekennen uns klar zu Diversität und Toleranz.

Lesezeit: 4 Minuten

Gendern ist in aller Munde und die Diskussion um die „richtige“ Form einer Sprache, welche die Menschenwürde und die Vielfalt der Geschlechteridentitäten anerkennt, noch lange nicht beendet. Doch eines ist sicher: Jede*r kann selbst entscheiden, ob und in welcher Form eine gendersensible Sprache im eigenen Alltag Einzug hält. Wir bei der Sparda-Bank München, Deutschlands erster Gemeinwohl-Bank, haben uns bereits entschieden. Denn wir respektieren die Diversität im gesellschaftlichen Miteinander und möchten alle Individuen würdevoll ansprechen.

Dabei geht es uns darum, für das Thema Gendern zu sensibilisieren, unsere Werte und Sprache zu definieren und schrittweise in der Praxis anzuwenden. Denn Sprache schafft Realität und sorgt für mehr Gleichberechtigung.

Foto © Sharon Mccutcheon on Unsplash

Doch was bedeutet Gendern genau?

Und was hat es mit der Vielzahl der Begrifflichkeiten auf sich? Wir verschaffen einen kleinen Überblick über prominente Begriffe:

  • LGBTQIA – Akronym, steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual, Queer, Intersexual, Asexual
  • Queer – Ursprünglich ein englisches Schimpfwort für Menschen, die von der Norm abweichen bzw. anders sind. Durch Emanzipationsbewegungen in den USA ist das aber positiv konnotiert. Kann als Begriff für eine Bewegung oder eine Haltung stehen.
  • Gender – Sozio-kulturelle bestimmte Geschlechtsidentität. Also das biologische Geschlecht, das einem bei der Geburt zugewiesen wird.
  • Cisgender/Transgender – Menschen, bei denen das gelebte, das gefühlte Geschlecht mit dem bei der Geburt zugewiesenen übereinstimmt. Umgekehrt verhält es sich bei Transgender.
  • Genderfluid – Genderfluide Menschen sind flexibel, was die Geschlechtsidentität angeht. Es können auch mehrere oder gar keine Identitäten zur gleichen Zeit bestehen.
  • Nichtbinär/enby – Ein Überbegriff für alle Geschlechter, die nicht rein männlich oder rein weiblich sind. Binär bedeutet zwei und meint in diesem Fall die beiden anerkannten Geschlechter. Enby als Begriff betont auf Englisch die beiden Buchstaben n und b von nichtbinär.

Gendern – das Basiswissen

Was ist der Gender-Stern?
Das fünf- oder sechsstrahlige Symbol * symbolisiert als Platzhalter die Vielfalt von Geschlechtern, Identitäten und Lebensweisen. Der Stern wird zwischen die männliche und die weibliche Endung eingesetzt. Gleichzeitig sind durch den Gender-Stern auch diejenigen Menschen eingebunden, die sich in den Kategorien weiblich oder männlich nicht wiederfinden. Bei der Sparda-Bank München nutzen wir den Gender-Stern.

Was ist der Glottisschlag?
Der Glottisschlag ist eine Art lautliche Pause, um gendersensibel zu sprechen. Alle Geschlechtsidentitäten werden dadurch berücksichtigt.
Den Glottisschlag hört man unter anderem bei folgenden Wörtern: Theater, Spiegelei, Verein. In der gendergerechten Sprache kann er z. B. hier zum Einsatz kommen:

  • Kund <Pause> innen
  • Mitarbeiter <Pause> innen
  • Kolleg <Pause> innen

Was ist die Paarform?
Man nennt sie auch den Klassiker unter den gendersensiblen Formulierungen: Die Paarform. Dabei werden Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen. Vorteil hierbei ist die leichte Verständlichkeit, wobei die Berücksichtigung nur zweier Geschlechter zum Nachteil der Diversität gereicht, wie z.B.:

  • Freunde und Freundinnen
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Lehrer und Lehrerin

Geschlechtsneutrale Formulierungen:
Die neutrale Formulierung bezieht ALLE Menschen mit ein. Dabei gibt es drei Varianten:

  • Gebrauch von Ableitungen: Student*in > Studierende, Chef*in > Führungskraft
  • Nutzung von Pluralformen: Die Teilnehmenden, die Mitarbeitenden
  • Geschlechtsneutrale Substantive: Partnerschaft > Kooperation

Gendern im Alltag

Ein sensibler Umgang miteinander sollte Standard sein. Bei nicht-binären Menschen oder Mitgliedern der LGBTQ-Gemeinde können manche Aussagen oder Fragen aber auch ungewollt besonders verletzend sein. Hierauf sollte man achten:

Do’s

  • Sich klar machen, dass man einen Menschen vor sich hat und das Geschlecht nebensächlich ist. Der Mensch zählt!
  • Möglichst neutrale Formulierungen benutzen
  • Kolleg*innen und Kund*innen direkt mit Du oder Sie ansprechen
  • Das Gendern durch den Text durchziehen

Dont’s

  • Unsensible Fragen vermeiden – No Go´s sind zum Beispiel: Wie hießen Sie denn früher? Als was sind Sie zur Welt gekommen?
  • Pauschalisierungen – Queer heißt nicht nur homosexuell. Die Vielfalt beim Thema Geschlecht und Gendern ist groß.
  • Unachtsames Gendern – Menschen, deren Geschlecht einem nicht klar ist, nach Gefühl anzusprechen, kann als Spott wahrgenommen werden.

Die Rollenverteilung:
Wenn Sie Texte verfassen, seien Sie mutig und spielen Sie mit den Rollen, das heißt: Wechseln Sie zwischen der männlichen, der weiblichen, der nichtbinären und der neutralen Form. Das ist besonders bei komplizierten Sätzen und Aufzählungen hilfreich.

Persönliche Anrede von nicht binären Personen:
Wenn bekannt ist, dass eine Person sich als divers identifiziert, sollte man geschlechtsneutrale Anreden wählen, beispielsweise in Briefen, in Mails oder auch im persönlichen Dialog. Und im Zweifelsfall: Sprechen Sie die betreffende Person einfach an, wie sie gerne angesprochen werden möchte.

Beim Projekt des Journalistinnenbundes auf www.genderleicht.de gibt es praktische Tipps, kreative Lösungen und viele Anwendungsbeispiele für diskriminierungsfreies Schreiben. Beispielsweise auch eine Antwort auf die Frage, warum es „das Mädchen“ heißt ;-).